Zur Geschichte
Das Oderbruch war vor seiner Urbarmachung eine "wüste und wilde Fläche" und sehr wahrscheinlich mit unserem Spreewald verwandt. Die alten Dörfer im Oderbruch lagen vor der Eindämmung dieses ehemaligen Sumpflandes mit ihren Häusern auf einem "Haufen", und waren meistens von gewaltigen, haushohen, aus Kuhmist aufgeführten Wällen umzingelt.
Für eine bescheidene Viehhaltung hatten Fischfang und Wiesen jahrhundertelang die Existenzgrundlage gebildet. In den Gewässern fand man Zander, Fluß- und Kaulbarsche, Aale, Hechte, Karpfen, Bleie, Aland, Zarten, Barben, Schleie, Neunaugen, Welse und Quappen. Letztere waren so zahlreich (zu Beispiel in Quappendorf), dass man die fettesten in schmale Streifen zerschnitt, trocknete und statt des Kiens zum Leuchten verbrauchte".
An den Markttagen fanden sich aus den Bruchdörfern Hunderte von Kähnen in Wriezen ein und verkauften ihren Vorrat an Fischen und Krebsen an die dort versammelten Händler. Ein bedeutender Handel wurde betrieben und der Fischertrag des Oderbruchs ging bis Böhmen, Bayern, Hamburg, ja die geräucherten Aale bis nach Italien. Mit der Entwässerung des fruchtbaren Oderbruchs und die damit verbundene Neulandgewinnung in den Jahren 1747 bis 1753 ist die wirtschaftliche Bedeutung Wriezens gewachsen. Allein im Oderbruch entstanden 50 Dörfer.
Dabei soll Friedrich II folgenden Ausspruch gemacht haben, der allerdings nirgends belegt ist.
"Hier habe ich im Frieden eine neue Provinz erobert, ohne einen Mann zu verlieren."
– Friedrich der Große
In den folgenden Jahrhunderten siedelte sich in Wriezen immer mehr Industrie an. Mit dem Ausbau des Wriezener Hafens gewann die Metallindustrie und die Bauindustrie in Wriezen immer mehr an Bedeutung. Albrecht Daniel Thaer aus Celle bei Hannover eröffnete eine erste landwirtschaftliche Lehranstalt in Wriezen. Nach einem verheerenden Stadtbrand wurde in Wriezen die erste Feuerwehr in ganz Brandenburg gegründet. Wriezen profitierte sehr von dem eben eingerichteten Schifffahrtsverkehr auf dem Kanal und den Ausbau des Wriezener Hafens. Der Schiffsbetrieb wurde im Wriezener Hafen bis um das Jahr 1972 aufrechterhalten. Danach verwilderte der Hafen in Wriezen zunehmend.
Eine Interessengemeinschaft Hafen Wriezen e.V. hat sich die Aufgabe gestellt, den Wriezener Hafen und die angrenzenden Gebäude zu erhalten. Da wir in Wriezen keinerlei Großindustrie mehr haben, lebt die Stadt heute hauptsächlich vom Tourismus.